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Münchhausen-Syndrom

Ursachen Symptome Diagnose Behandlung

Allgemeines
Baron Münchhausen Unter dem Münchhausen-Syndrom (benannt nach dem Lügenbaron Münchhausen, siehe Bild) versteht man eine psychische Störung, bei der Betroffene Krankheiten oder Symptome simulieren und sich in schlimmeren Fällen selbst schwer verletzen. Dabei finden die Selbstverletzungen allerdings heimlich statt. Betroffene wollen dadurch ständige ärztliche Untersuchungen und mögliche chirurgische Eingriffe erzwingen. Das Münchhausen-Syndrom gehört, neben den Artefaktstörungen und dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, zu den artifiziellen, also künstlichen, Störungen. Selbstverletzungen werden aber nicht gleich als Symptom des Münchhausen-Syndroms angesehen. Hierbei kommt es vor allem auf die Gegebenheiten und Vorgeschichten der Patienten an, denn ein selbstverletzendes Verhalten kann auch beispielsweise auf ein Borderline-Syndrom oder anderen psychischen Erkrankungen beruhen. Zudem ist es wichtig zu unterschieden, ob Betroffene sich heimlich oder eher bewusst oder unbewusst verletzen.

Ursachen
Wie genau eine artifizielle Krankheit entsteht ist nicht vollständig geklärt. Mitunter können etwa Depressionen oder verschiedene Persönlichkeitsstörungen die Entstehung solch einer Krankheit bestärken. Viele Betroffene wurden zudem in ihrer Vergangenheit misshandelt oder ähnlich traumatisiert. Ärzte und Psychotherapeuten vermuten, dass einige Erkrankte aus diesem Trauma nicht mehr herauskommen und diese Erlebnisse immer wieder aus Zwang nachahmen müssen.

Symptome
Neben den psychischen Symptomen, kommen auch Symptome in Frage die von Betroffenen künstlich und selbst erzeugt werden. Dabei wurden häufig folgende Auffälligkeiten beobachtet: Die Haut wird durch chemische Substanzen verätzt, verbrannt oder in anderer Art und Weise geschädigt. Betroffene setzen teilweise auch spitze, scharfe oder stumpfe Gegenstände ein, weshalb auffällig viele Narben, auch Operationsnarben, auf der Haut zurückbleiben. Neben diesem Verhalten, werden auch Beschwerden vorgetäuscht oder durch gewisse Einflüsse erzwungen. So werden unter anderem Medikamente eingenommen, die Nebenwrikungen, wie Erbrechen, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Fieber hervorrufen. Doch nicht nur körperliche Symptome werden erfunden oder gezwungenermaßen herbeigeführt, sondern auch psychische Belastungen, wie das Verstörtsein oder vorgetäuschte Halluzinationen. Kommt es tatsächlich einmal zu einer Operation, sorgt der Erkrankte danach oftmals für eine absichtliche Infektion der Wunde.

Je nach Verhalten und Symptomatik unterscheidet man zwischen dem Münchhausen-Syndrom, der Artefaktstörung und dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Leidet ein Mensch unter dem Münchhausen-Syndrom, leidet er meist auch an zwanghaftes Lügen. Dem Arzt werden hierbei nicht nur erfundene Symptome, sondern auch erfundene oder falsche Krankheitsgeschichten geschildert. In der Regel werden diese Lügen aber nicht mit einer bösen Absicht erzählt, sondern sind Teil eines inneren Zwangs, ebenso wie die Selbstverletzung. Ist das Syndrom besonders stark ausgeprägt, kann es für Erkrankte lebensbedrohlich werden, da sie sich so stark und lange verletzen können, bis sie in ihrer Lebensqualität überwiegend eingeschränkt sind oder letztendlich sterben. Ein weiteres Symptom für das Münchausen-Syndrom ist die sogenannte Krankenhaus- oder Operationssucht. Leidet ein Mensch unter diesem Syndrom, ist es nicht selten, dass er mehrere hundert Male Krankenhäuser und Ärzte in wenigen Jahren aufsucht. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Zudem leben die Betroffenen nicht selten isoliert und haben kaum bis gar keinen Kontakt zur Familie oder dem Bekanntenkreis. Sie haben oftmals zu dem eigentlichen Syndrom eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, weshalb sie im Verlauf eine Gefühllosigkeit, Aggressivität und einen Mangel an Schuldgefühlen entwickeln. Fast nie gesteht sich ein Patient ein, an dem Münchhausen-Syndrom erkrankt zu sein. Besteht also einmal die Vermutung des behandelnden Arztes, der Patient könnte genau an diesem Syndrom leiden, sucht dieser sich meist einen neuen Arzt um einer Diagnose auszuweichen.

Unter der Artefaktstörung leiden überwiegend Frauen. Diese Störung ähnelt dem Münchhausen-Syndrom. Betroffene täuschen ihre Beschwerden und Erkrankungen vor oder lösen sie durch gewisse Manipulationen aus. Allerdings sind sie hierbei keinem Zwang untergeben ständig Lügen zu erfinden. Zudem besteht häufig ein normales soziales Umfeld. Um möglichst über einen längeren Zeitraum im Krankenhaus bleiben zu können, täuschen Patienten neue Beschwerden vor oder führen Manipulationen durch, wie etwa das Einnehmen von Medikamenten, die Nebenwirkungen auslösen, das Untermischen von Blut in Urinproben oder das Zufügen von körperlichen Wunden. Typisch für Betroffene sind außerdem die erlernten Fachkenntnisse von medizinischen Themen. Sie können dadurch dem Arzt überzeugend falsche Angaben zum Krankheitsbild liefern. Oft glauben Betroffene zudem, sie seien wirklich krank.

Bei dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom verletzen Betroffene sich nicht selbst und erfinden auch kein falsches Krankheitsbild für sich. Vielmehr geht es hierbei überwiegend um Mütter, die ihre leiblichen Kinder absichtlich "krank machen" oder dies vorgeben. Dieses Syndrom kann aber nicht nur bei Müttern auftauchen, sondern auch in sozialen Berufen, wie etwa in der Krankenpflege. Die Ausmaße dieser Krankheit können für Kinder und Pflegebedürftige fatal sein. Menschen, die an dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leiden, übertragen das eigene erfahrene Trauma auf die zu pflegende Person. Dieses Verhalten findet meistens unbewusst statt. Erkrankte haben daher nicht den Zwang sich selbst zu verletzen, sondern verletzen und misshandeln ihr Kind oder den Pflegebedürftigen. In der Regel empfindet der Betroffene dabei keine Schuldgefühle oder ähnliches. Da die Misshandelten stark unter Druck gesetzt und manipuliert werden, werden sie im Verlauf abhängig von dem, der sie krank macht. Aus diesem Grund schweigen häufig die Misshandelten, von wem und was ihnen eigentlich zugefügt wird. Zusätzlich wirken Erkrankte in ihrer Umwelt eher fürsorglich und hingebungsvoll, weshalb ein Verdacht lange Zeit gar nicht erst zustande kommt.

Diagnose
Da artifizielle Krankheiten sehr komplex sind und genau so viele Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede haben, ist es für einen Arzt oder einen Therapeuten sehr schwer eine Diagnose zu stellen. Hinzukommend ist, dass Betroffene sich meist keiner Krankheit bewusst sind und sämtliche Verdächtigungen von sich weisen. Bis es zu einem möglichen Gespräch kommt, bei dem eine vorübergehende Diagnose herauskommen könnte, haben Patienten den Kontakt zu dem behandelnden Arzt oft schon abgebrochen.

Behandlung
In vielen Fällen ist eine Behandlung oder gar Heilung nicht möglich, denn viele Erkrankte wollen ihr Problem nicht einsehen. Daher ist die richtige Annäherung und Therapie wichtig. Dazu gehört, dass der Arzt bzw. Therapeut das Vertrauen des Patienten für sich gewinnen kann und dieser nicht das Gefühl bekommt, dass er und die Krankheit nicht ernst genommen und verurteilt werden. Schlägt die Therapie erst an, kann herausgefunden werden, warum sich der Patient selbst verletzt und den Ursprung finden. Nebenbei ist es auch wichtig, dass körperliche Verletzungen und Beschwerden vorerst behoben werden. Eine Psychotherapie ist in der Regel über einen längeren Zeitraum notwendig, auch stationär. Handelt es sich um das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, steht der Schutz der Misshandelten im Vordergrund.


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